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Infektionsserologie

GBS-Screening

Anforderungskürzel: uKSTRE

Material

Durch einen Abstrich vom Introitus vaginae und dem Anorektum kann eine Aussage über den vermutlichen GBS-Kolonisierungsstatus am errechneten Termin gemacht werden. Die kombinierte Abstrichentnahme (mit nur einem Abstrichtupfer zuerst vaginal, dann anorektal) erhöht die Nachweisrate von GBS um bis zu 30 % und erspart Kosten.
Für die Abstriche sind die Abstrichbestecke Nr. 108 (Tupfer dick, blaue Kappe mit hellem Medium) zu verwenden. Die Lagerung kann bei Raumtemperatur erfolgen (möglichst nicht länger als 24 Stunden).
Nach den mikrobiologisch-infektiologischen Qualitätsstandards (MIQ 11a/2011) sind Zervixabstriche für das Streptokokken-Screening in der Schwangerschaft nicht geeignet.

Physiologie / klinische Bedeutung

Die beta-hämolysierenden Streptokokken der serologischen Gruppe B (GBS) sind eine der häufigsten Ursachen für schwere Infektionen des Neugeborenen. Es wird zwischen einer frühen Form (Early-Onset) innerhalb von sieben Tagen nach der Geburt und einer späten Form (Late-Onset) unterschieden.
Die meisten der kindlichen Infektionen erfolgen bereits intrauterin nach dem Blasensprung über das kolonisierte Fruchtwasser. Die frühe Form der Infektion, die im Mittel binnen 20 Stunden nach der Geburt zu ersten Symptomen führt, äußert sich bei den Neugeborenen als Sepsis und Pneumonie und seltener als Meningitis, Osteomyelitis oder Arthritis. Der Verlauf kann dramatisch sein und rasch in einen septischen Schock münden. Es muss auch mit neurologischen Langzeitschäden gerechnet werden. Die Mehrzahl aller Fälle einer Early-Onset-Sepsis betrifft reife Neugeborene; Frühgeborene erkranken häufiger. Die Letalität liegt um 4 % und ist bei sehr unreifen Frühgeburten deutlich höher.
Streptokokken der Sero-Gruppe B werden bei 10 bis 30 % der symptomlosen Schwangeren im Bereich der Vagina und/oder des Anus nachgewiesen.
Während der Schwangerschaft kann es zu einem chronischen, einem intermittierenden oder einem vorübergehenden Nachweis von GBS kommen. Als Risikofaktoren der frühen Form der Neugeborenensepsis durch GBS gelten:

  • Nachweis von GBS im Ano-Genitalbereich zum Zeitpunkt der Entbindung
  • GBS-Bakteriurie während der Schwangerschaft als Zeichen einer hohen Keimdichte im Ano-Genitalbereich
  • Blasensprung >= 18 Stunden vor Geburt
  • Fieber unter der Geburt >= 38°C (Kerntemperatur)
  • Frühgeburt vor 37+0 Schwangerschaftswochen (SSW)
  • Vorausgegangene Geburt eines an GBS erkrankten Kindes

Nach der S2-Leitlinie „Prophylaxe der Neugeborenensepsis - frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B“, Stand 07/2008, die unter Mitwirkung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) erstellt wurde, sollen alle Schwangeren zwischen 35+0 und 37+0 SSW mikrobiologisch auf GBS untersucht werden.

Methodische und patientenbezogene Angaben

Anforderung bitte als gesonderten Auftrag an die Mikrobiologie/Bakteriologie.
Die Anforderung an das Labor sollte den Begriff „GBS-Screening“ sowie die Angabe der Schwangerschaftswoche enthalten. Wenn bei der Schwangeren eine Penicillin-Allergie vorliegt, ist dies anzugeben, damit dann eine Testung auf Penicillin-Alternativen wie z. B. Clindamycin erfolgen kann.
Im Labor erfolgt die kulturelle Anzucht mit antibiotikahaltigen Selektivmedien. Von der Verwendung von Schnelltesten zum Nachweis einer anogenitalen GBS-Besiedlung ist abzuraten, da die Treffsicherheit dieser Tests nach wie vor zu gering ist, um Schwangere insbesondere mit niedriger Keimkonzentration zu identifizieren.
Dieses Screening ist bisher nicht in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen und auch nicht im Leistungskatalog der GKV enthalten, so dass eine Durchführung für GK-Versicherte nur als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) möglich ist (Kosten: 13,98 € je Abstrich).

Bearbeitungsdatum: 01.08.2019
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