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Klinische Funktionsteste

Glukose-Toleranztest

Synonym: Zuckerbelastungstest; Oraler GTT; oGTT (Glukose-Toleranztest)

Messparameter

  • Glukose, Insulin, C-Peptid

Testprinzip

  • Freisetzung von Insulin nach Glukosezufuhr

Material

  • 1,0 ml Serum, gefroren, je Parameter und Blutentnahme für Insulin, C-Peptid und
  • 1,0 ml NaF-Blut je Blut­entnahme für Glukose oder
    1,0 ml venöses Vollblut mit GlucoEXAKT (Sarstedt) je Blut­entnahme für Glukose

Physiologie / klinische Bedeutung

Bei Verdacht auf eine gestörte Glukosetoleranz (latenter Diabetes mellitus bzw. bei im Grenzbereich liegenden Blutglukosewerten sowie bei Verdacht auf renalen Diabetes) wird der Glukose-Toleranztest zur Stimulation und Analyse der endogenen Insulinsekretion durchgeführt. Darüber hinaus wird er zur Suppression von Wachstumshormon als STH-Suppressionstest eingesetzt. Weiterhin eignet sich der orale Glukose-Toleranztest bei gleichzeitiger Insulinbestimmung auch zum Beleg einer Insulinresistenz. Eine weitere Indikation besteht in der Abklärung des Verdachts auf einen Gestationsdiabetes.

Der Test imitiert die physiologische Nahrungszufuhr unter Standardbedingungen und induziert eine vermehrte Freisetzung von Insulin aus dem Inselzellapparat. Der Insulinwert im Serum steigt innerhalb von 30 Minuten auf das Fünffache der Ausgangskonzentration an und erreicht nach ca. einer Stunde den Maximalwert. Die Insulinsekretion bewirkt eine Aufnahme der Glukose in die Leber und die Speicherung als Glykogen. Bei chronischen Lebererkrankungen kann trotz ausreichender Insulinausschüttung die resorbierte Glukose nicht in die Leberparenchymzellen aufgenommen werden. Es kommt zu einer verminderten Glukosetoleranz.

Methodische und patientenbezogene Angaben

Durchführung:
Der Test sollte am Morgen zwischen 8:00 und 9:00 Uhr durchgeführt werden. Nach der Nüchtern-Blutentnahme sollten 75 g Glukose innerhalb von 5 Minuten getrunken werden. Die weiteren Blutentnahmen erfolgen eine, zwei und ggf. drei Stunden nach Belastung. Bei einer diabetischen Stoffwechsellage sollte der orale Glukose-Toleranztest nicht durchgeführt werden.

Blutentnahmen für Insulin und C-Peptid mit Serum-Monovette bzw. Serum-Vacutainer. Die Blutproben sollen innerhalb von 30 Minuten nach Abnahme abzentrifugiert, die Seren abpipettiert, in sterile Probengefäße überführt und eingefroren (- 20 °C) werden. Versand unter Verwendung einer Spezialverpackung, die bei uns angefordert werden kann.
Für Blutzucker (Glukose) werden die Blutentnahmen und der Versand mit NaF-Monovette bzw. NaF-Vacutainer oder venöses Vollblut mit Gluco-EXAKT (Sarstedt) empfohlen.
Bitte alle Proben zusammen mit dem Auftragsschein ins Labor senden.

Cave: Bei Verdacht auf renalen Diabetes sollte am Ende des Glukose-Toleranztests die Glukosekonzentration im Urin bestimmt werden.

Störfaktoren, die die Glukosetoleranz beeinflussen können:

  • Hyperlipoproteinämie
  • Leberzirrhose
  • Metabolische Azidose (Urämie)
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schwangerschaft
  • Kaliummangel
  • Hochgradige Herzinsuffizienz
  • Hungerzustand
  • Stresseinwirkungen
  • Lange Bettlägerigkeit

Interaktion mit Medikamenten:

  • Behandlung mit Saluretika (vor allem Thiazide) und Steroiden
  • Hormonelle Kontrazeptiva
  • Laxantien
  • Nikotinsäure
  • Nitrazepam
  • Phenothiazine, Phenazetin
  • Schilddrüsenhormone
  • Nichtsteroidale Antirheumatika

Interpretation

Diagnostik des Diabetes mellitus (Plasmaglukose venös)

  • Wenn der Nüchternwert < 100 mg/dl und der 2-h-OGTT-Wert < 140 mg/dl liegen, liegt eine normale Glukose-Toleranz (Normal Glucose Tolerance - NGT) vor.
  • Liegt der Nüchternwert zwischen 100 und 125 mg/dl, dann liegt eine "Abnorme Nüchternglukose" (Impaired Fasting Glucose - IFG) vor.
  • Wenn der Nüchternwert < 126 mg/dl und der 2-h-OGTT-Wert zwischen 140 und 199 mg/dl liegen, liegt eine "Gestörte Glukosetoleranz" (Impaired Glucose Tolerance - IGT) vor.
  • Wenn der Nüchternwert ≥ 126 mg/dl und der 2-h-OGTT-Wert ≥ 200 mg/dl liegen, ist ein Diabetes mellitus (DM) diagnostiziert.

Die diagnostischen Kriterien für Diabetes mellitus aufgrund von Glukosegrenzwerten für verschiedene Probenmaterialien können der folgenden Tabelle entnommen werden, wobei die Grenzwertüberschreitungen bei der Nüchternglukose und/oder dem 2-Std.-OGTT-Wert vorliegen müssen.

Tabelle: Diagnostische Kriterien des Diabetes mellitus (nach Evidenzbasierte Leitlinie DDG - Aktualisierung 10/2004)

 Diabetes mellitusGlukosewerte (mg/dl)
 Nüchternglukose2-h-OGTT-Wert
Plasma, venös ≥ 126≥ 200
Plasma, kapillär ≥ 126≥ 220
Vollblut, venös ≥ 110≥ 180
Vollblut, kapillär(hämolysiert)≥ 110≥ 200

Diagnostik des Gestationsdiabetes

Die Diagnose, Therapie und Nachsorge eines Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist in der Praxisleitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) beschrieben (Aktuelle Version 10/2011).

Gemäß Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) - veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt Heft 14/2012 - haben Schwangere im Zeitraum zwischen 24 + 0 und 27 + 6 Schwangerschaftswochen jetzt einen gesetzlichen Anspruch auf Durchführung der neuen Leistung „Screening-Gestationsdiabetes“.

Durchführung der Untersuchung

  • Im Zeitraum zwischen 24 + 0 und 27 + 6 Schwangerschaftswochen Bestimmung der Plasmaglukosekonzentration eine Stunde nach oraler Gabe von 50 g Glukoselösung (unabhängig vom Zeitpunkt der letzten Mahlzeit, nicht nüchtern!).
  • Schwangere mit Blutzuckerwerten ≥ 7,5 mmol/l (≥ 135 mg/dl) und ≤ 11,1 mmol/l (≤ 200 mg/dl) erhalten zeitnah einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 g Glukoselösung nach Einhaltung von mindestens 8 Stunden Nahrungskarenz.
  • Beim Erreichen bzw. Überschreiten eines oder mehrerer der nachfolgend genannten Werte liegt definitionsgemäß ein Gestationsdiabetes vor. Die weitere Betreuung der Schwangeren sollte in enger Zusammenarbeit mit einer diabetologisch qualifizierten Ärztin bzw. einem diabetologisch qualifizierten Arzt erfolgen.

Grenzwerte im venösen Plasma nach 75 g Glukose:

nüchtern:≥ 5,1 mmol/l (92 mg/dl)
nach 1 Stunde:≥ 10,0 mmol/l (180 mg/dl)
nach 2 Stunden:≥ 8,5 mmol/l (153 mg/dl)

Hinweis

Die Leistung wurde bisher noch nicht in den EBM aufgenommen, deshalb ist zur Zeit nur eine Abrechnung nach GOÄ möglich. Die gesetzlich versicherte Schwangere muss die GOÄ-Rechnung direkt an den Arzt bzw. ans Labor bezahlen. Sie hat gegenüber ihrer gesetzlichen Krankenkasse Anspruch auf volle Kostenerstattung. Das heißt, dass die Schwangere die von ihr zu bezahlende GOÄ-Rechnung bei ihrer gesetzlichen Krankenkassen zwecks Kostenerstattung einreicht. Die Krankenkasse hat diese Kosten in voller Höhe zu erstatten.

Demaskierung einer Glukokinase-Genmutation (MODY Typ 2)

In ca. 2 % aller Fälle einer Glukosetoleranzstörung in der Schwangerschaft wird eine Glukokinase-Genmutation (MODY Typ 2) mit autosomal dominantem Erbgang demaskiert.

Hinweise sind:

  • erhöhte Nüchtern-Blutglukosewerte von 99 - 144 mg/dl (5,-5 - 8,8 mmol/l)
  • nur geringer Blutglukoseanstieg im oGTT während oder nach der Schwangerschaft < 83 mg/dl (< 4,6 mmol/l)
  • normaler oder nur geriggradig erhöhter HbA1c-Wert
  • postitive Familienanamnese

Die begründete Verdachtsdiagnose eines MODY Typ 2 wird durch eine Genanalyse gesichert (Molekulargenetische Diagnostik - MODY).

Bearbeitungsdatum: 24.06.2019
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